Rehabilitation – die Nachsorge ist entscheidend

Rehabilitation in der Hundephysiotherapie kann nicht nur bei Skelett-, Muskel- und Weichteilerkrankungen zur Verbesserung der Mobilität und des Wohlbefindens Ihres Hundes beitragen. Durch gezielten physiotherapeutischen Einsatz können Beschwerden bei Erkrankung der Atemwege oder des Lymphgefäßsystems gelindert werden und den Heilungsverlauf begünstigen. Ganz wie beim Menschen auch lassen sich neurologisch bedingte Beschwerden ebenso wie alters- oder OP-bedingte Einschränkungen durch Physiotherapie lindern.
Neben der vorangegangenen tierärztlichen Diagnose erhebe ich beim Ersttermin einen zusätzlichen ausführlichen physiotherapeutischen Befund. Auf diese Weise erhalte ich alle relevanten Informationen für die weiteren physiotherapeutischen Behandlungen und kann einen optimalen Behandlungsplan für Ihren Hund erstellen.

Im Vordergrund stehen:

• Schmerzlinderung / Schmerzfreiheit
• Wiederherstellung / Erhaltung / Verbesserung der Mobilität
• Narbenbehandlung
• Verbesserte Muskelfunktionen / Muskelkräftigung / Beseitigung muskulärer Dysbalancen
• Wiederherstellung bzw. Annäherung an eine physiologische Haltung oder ein physiologisches Gangbild
• Vorbeugung bei vorzeitigen Alterungsprozessen / bei erblich bedingten Auffälligkeiten (z. B. HD)
• Koordinationstraining
• Konditionstraining
• Atemtherapie
• Gewichtsreduktion
• Entspannung / Wellness

Ziel ist es, durch spezifische Bewegungs- und Trainingstherapie sowie mit äußerlichen Therapieanwendungen die Gesundheit des Hundes wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern.

Die Physiotherapie ist vielseitig einsetzbar und trägt maßgeblich zur Steigerung des Wohlbefindens und der Lebensqualität bei.

Der richtige Zeitpunkt für den Beginn der Hundephysiotherapie

Nicht selten kontaktieren Hundebesitzer nach einer OP / einer Verletzung Ihres Hundes viel zu spät den Hundephysiotherapeuten (meist nach 4-6 Wochen). Überzeugt den Hund nach einer OP / einer Verletzung schonen zu müssen oder aus Angst das Operationsergebnis zu gefährden, lassen Hundebesitzer wertvolle Zeit verstreichen, in der durch physiotherapeutische Maßnahmen die Regeneration des Vierbeiners unterstützt und gefördert werden kann.

Im Zuge der Wundheilung ist es von großer Bedeutung das Tier zeitnah zwischen dem 6. und spätestens dem 21. Tag nach einer OP / Verletzung dem Hundephysiotherapeuten vorzustellen und mit der Behandlung zu beginnen. Für eine gute Regeneration und um spätere Funktionalität gewährleisten zu können, ist eine frühstmögliche Physiotherapie für den Hund unabdingbar und konzentriert sich in den ersten Tagen darauf, die bei der Kollagensynthese gebildeten Kollagenmolekühle entsprechend ihrer Zugrichtung auszurichten. Dies kann zu einem späteren Zeitpunkt in dieser Art nicht mehr erreicht werden.

Wenn dieser Zeitpunkt verpasst wird, legt der Körper diese Moleküle ungeordnet und nicht ihrer Funktionalität folgend im operierten / verletzten Gebiet ab, das Gewebe verklebt und es entsteht Narbengewebe. Gelenke werden so trotz erfolgreicher Operation in Ihrer Bewegung und Funktion eingeschränkt und schmerzhaft.

Wird der Hund also erst 4 oder 6 Wochen nach einer OP / Verletzung bei der Hundephysiotherapie vorgestellt, hat bereits ein Verlust der Zellmatrix stattgefunden und es haben sich zu viele Crosslinks (Narbenverklebungen) gebildet. Crosslinks sind Quervernetzungen von einzelnen Fasern bzw. Faserschichten und kommen v. a. im Bindegewebe und in den Faszien vor. Ihre Hauptaufgabe ist die Stabilisierung der faszialen Strukturen z. B. der Gelenkkapseln, Sehnen und der einzelnen Faszien. Je nach Belastung und Bewegung, die das Bindegewebe erfährt, passen sich die Crosslinks so an, dass die Bewegungen stabilisiert werden und die Bewegung nicht eingeschränkt wird. Belastung und Bewegung bewirkt einen Anpassungsprozess der Kollagenfasern und formen die Erscheinung des Bindegewebes.

Grundsätzlich sind diese Crosslinks im Gewebe also normal und nie als gut oder schlecht zu betrachten – sie sind immer die Folge des Bewegungsverhaltens bzw. des Bewegungsmangels.

Die Ruhigstellung eines Gelenks nach einer OP / Verletzung sendet ein Signal an das Bindegewebe, dass das nicht genutzte Bewegungsausmaß nicht mehr benötigt wird. Um das nicht bzw. selten genutzte Bewegungsausmaß nicht weiter durch energieaufwendige Muskelarbeit zu stabilisieren, werden so in zu hohen Ausmaß Crosslinks vom Körper gebaut und die Bewegungsrichtungen somit passiv eingeschränkt. Je weniger Bewegung stattfindet, desto mehr Crosslinks bilden sich und desto weniger neue Zellmatrix wird gebildet. Die Zellmatrix ist die Grundsubstanz des Körpers und fungiert als Gleitschicht zwischen den Fasern des Gewebes. Durch den Zellmatrixverlust trocknet das Gewebe regelrecht aus und die Kollagenfasern reiben zu stark aufeinander, was zu einer deutlichen Mehrbelastung des Gewebes führt. In der Frührehabilitation lassen sich die anfangs vermehrten Crosslinks durch zielgerichtete Maßnahmen wieder normalisieren und entsprechend der Funktionalität ausrichten. Liegen diese Crosslinks über viele Wochen / Monate vor, so verfestigen Sie sich ohne physiotherapeutische Behandlung unwideruflich. Reize, die normalerweise kein Problem darstellen würden, können den Körper jetzt schädigen. Ich selbst komme aus der Humanphysiotherapie und man hat hier in Studien belegen können, dass Gewebe, welches 4 Wochen immobilisiert wurde, nach der OP eine deutlich schlechtere Regeneration, Rehabilitation und spätere Belastungs- / Reißfestigkeit hatte.

Demnach sind die ausschließliche Versorgung mit Schmerzmitteln und eine absolute Ruhigstellung nach einer OP / Verletzung ohne Hundephysiotherapie aus physiotherapeutischer Sicht unzureichend und suboptimal für den gesamten Heilungsverlauf. Die besten Ergebnisse für Ihren Vierbeiner werden in der Rehabilitation durch die Kombination von Schulmedizin und Hundephysiotherapie erreicht.

In der Hundephysiotherapie geht es in erster Linie darum, die Kollagenmolekühle, die bei der Kollagensynthese gebildet werden, mit adäquaten Reizen entsprechend Ihrer Zugrichtung auszurichten.

Dies geschieht mittels hubfreier Mobilisation, was bedeutet, dass auf das operierte / verletzte Gelenk keinerlei Scherkräfte wirken und die Belastung hierbei geringer ist, als würde der Hund zum Pinkeln gehen. Dennoch bekommen die Kollagenmolekühle den Reiz sich entsprechend ihrer Funktion auszurichten. Dies ist für eine korrekte spätere Funktion von besonderer Bedeutung. Zudem werden hierdurch die Gelenke durchbewegt, was zu einer verbesserten Produktion von Gelenkschmiere (Synovia) führt, dadurch die Reibung im Gelenk reduziert und die Ernährung des Gelenkknorpels fördert d. h. es wird einer Degeneration im Gelenk entgegengewirkt. Nicht zuletzt wird durch das passive Durchbewegen von Gelenken eine Schmerzlinderung erzielt, denn dabei werden Reize durch Mechanorezeptoren aktiviert, die durch Bewegung angesprochen werden und die Schmerzweiterleitung überlagern.

Zudem kann bei sehr schmerzhaften oder ängstlichen Hunden mit der Segmentreflektorik auf das betroffene Gebiet eingegangen werden, was bedeutet, dass man an den Segmenten der Wirbelsäule arbeitet, die dem operierten Gelenk zugehörig sind und über nervale Verschaltung einen Effekt im Operationsgebiet erzielt, ganz ohne die operierte / verletzte Stelle zu berühren.

Auch das Lösen der aus der Schonhaltung resultierenden schmerzhaften Muskelverspannungen sind in der frührehabilitativen Phase eine enorme Erleichterung für den Hund.

Ein weiterer Vorteil einer zeitnahen Behandlung liegt im geringeren Muskelabbau und in der besseren Reißfestigkeit der Sehnen und Bänder. Während ohne Frührehabilitation die Reißfestigkeit der Sehnen und Bänder nach kurzer Zeit (2 Wochen) massiv abnimmt (ca. 60 %), ist dieser Prozess deutlich verlangsamt, wenn das Tier adäquat belastet wird. Dies gilt gleichermaßen für Gelenkkapselveränderungen und die Demineralisierung der Knochen.

Damit Regeneration einwandfrei ablaufen kann und kein Narbengewebe entsteht, ist es wichtig, adäquate Reize schon in der Proliferationsphase der Wundheilung (6.-21. Tag) zu setzen. Zu wenig Reize sind genauso schädlich wie zu starke Reize. Als Hundephysiotherapeutin erkläre ich Ihnen als Hundebesitzer was genau für Ihren Hund eine Überbelastung in welcher Phase der Wundheilung bedeutet.

Indem Sie alle relevanten Informationen zur Operationsmethode / Verletzungsart sowie u. a. über das erlaubte Bewegungs- und Belastungsausmaß, Art und Dauer des Gassi-Gehens, sicheres Handling und über mögliche Hilfsmittel, erklärt bekommen, werden Ihnen in der Hundephysiotherapie Ängste genommen und Sie erlangen Sicherheit im Umgang mit Ihrem Vierbeiner nach einer OP / einer Verletzung.  Dieser unterscheidet sich je nach Operationsverfahren und Verletzung.

Außerdem bekommen Sie unterstützende Therapiemaßnahmen für zu Hause an die Hand, damit Sie selbst täglich aktiv zur Heilung Ihres Tiers beitragen können.

Im Sinne einer besseren und vor allem schnelleren Rehabilitation ist es für Ihren Hund also von großer Bedeutung frühzeitig (ab dem 6. Tag nach der OP / Verletzung) mit der Hundephysiotherapie zu beginnen und letztendlich ausschlaggebend für den späteren Rehabilitationserfolg.


Anwendungsgebiete

Hier erhalten Sie einen kurzen Überblick über die häufigsten Anwendungsgebiete der Hundephysiotherapie.
Wenn Sie Zweifel daran haben, ob die Hundephysiotherapie das Richtige für Ihren Vierbeiner ist, wenden Sie sich gerne an mich oder lesen Sie in meinem Lexikon nach.

Skeletterkrankungen
(Osteo-)Arthrose
Knochenbrüche (Frakturen)
Luxationen z. B. Patellaluxation
Hüftgelenksdysplasie (HD)
Ellenbogendysplasie (ED)
Osteochondrosis dissecans (OCD)
Fragmentierter Processus Coronoideus (FPC)
Isolierter Processus Anconeus (IPA)

Muskel- und Weichteilerkrankungen
Muskel- und Sehnenrisse
Bänderüberdehnung / Bänderrisse
Meniskusverletzungen

Atemwegserkrankungen
Bronchitis
Lungenentzündung

Erkrankungen des Lymphgefäßsystems
nach OPs
Lymphgefäßentfernung
Wundheilungsstörungen

Neurologische Erkrankungen / Wirbelsäulenerkrankungen mit neurologischer Symptomatik
Bandscheibenvorfall / -vorwölbung
Cauda Equina Kompressionssyndrom (CECS)
Spondylopathia deformans / Spondylarthrose

Vor- bzw. Nachsorge bei OPs

Seniorengymnastik
bei altersbedingten Beschwerden